Drei Monate im Trüben gefischt: Rossos Kampf mit den Fehldiagnosen
In den vergangenen vier Monaten ging es Rosso, meinem geliebten Kater, sehr, sehr schlecht.
Heute weiß ich, warum: Er litt an hochgradiger Colitis – einer schweren Darmentzündung. Doch bis diese Diagnose endlich gestellt wurde, lag ein Vierteljahr voller Unsicherheit, Angst und Schmerzen (Rosso psychisch, ich seelisch) hinter uns – voller Fehldiagnosen und mit einer stressigen Tierarzt-Odyssee. Und mehr als einmal dachte ich, Rosso würde sterben.
Sieben Tierärzte und Hilflosigkeit
Meinen geliebten Liebling leiden zu sehen, war furchtbar. Wobei Katzen ihr Leiden nicht zeigen, sondern verbergen. Das liegt in ihrer Natur: Schwäche zeigen bedeutet: Ich bin leichte Beute.
Dieses Verhalten legen – leider – auch Hauskatzen an den Tag.
Ich konnte meinen Kater also nur beobachten – und ich nahm deutliche Veränderungen in seinem Verhalten wahr: Er war nicht mehr das gut gelaunte Kerlchen, das mit mir Fangen und Verstecken spielte und dabei fröhlich durch die Wohnung jagte.

Wenn der Kater (un)sichtbar leidet
Er fraß kaum.
Er saß oft bis zu einer halben Stunde reglos an derselben Stelle und starrte apathisch vor sich hin.
Er zog sich stundenlang in dunkle Ecken zurück.
Er »sprach« nicht mehr mit mir.
Rosso war krank! Das spürte ich, das sah ich, und das wusste ich.
Das Schlimmste dabei war das Gefühl der Hilflosigkeit. Ich konnte nichts tun, außer Rosso – der panische Angst vor Autofahren und fremden Menschen hat – in den Korb zu zwängen und von Tierarzt zu Tierarzt zu kutschieren. Und ich hoffte so sehr, dass wenigstens einer von ihnen (7 insgesamt!) eine »Idee« hatte, was Rossos Problem war.
Dazwischen lag das Pfingstwochenende – ausgerechnet in einer Phase, in der es ihm besonders schlecht ging, und ich davon überzeugt war, sein letztes Stündlein hätte geschlagen, weil er – alle Viere von sich gestreckt – stundenlang und bewegungslos auf dem Boden lag. Meine beiden bewährten Tierärztinnen (ich habe eine Haustierärztin und eine Fachtierärztin) waren in Urlaub.
Innerhalb von drei Tagen habe ich zweimal den Notdienst einer Tierklinik in der Nähe von München aufgesucht. Es war einfach grauenhaft, besonders für Rosso! Bei einer der Untersuchungen sprang er in seiner Panik die Wand hoch – nachdem die Tierärztin meinte, ihn mit einer Decke fixieren zu müssen. Dazu muss man wissen, dass Rosso sich normalerweise problemlos untersuchen lässt – ohne in einer Zwangsjacke zu stecken! Mein diesbezüglicher Hinweis wurde allerdings ignoriert, ganz nach dem Motto: Was weißt du schon, ich bin hier die Fachfrau …
Stochern im Trüben: Fehldiagnosen
Alle »Diagnosen« waren ein Stochern im Trüben:
- entzündete Bauchspeicheldrüse
- Halsentzündung
- FORL
- Gastritis
Lauter Vermutungen, die sich als falsch herausstellten. Bis auf die erste, zu der ich noch informieren werde …

Für Rosso bedeuteten die vielen Untersuchungen unendlichen Stress: weitere Untersuchungen und Zwangsverabreichung von Medikamenten, die er im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen fand. Natürlich entstanden bei all diesen Untersuchungen hohe Kosten. Doch darum geht es mir nicht! Es geht mir darum, dass mein Kater drei Monate lang unnötig leiden musste – körperlich und psychisch.
Endlich korrekte Diagnose: »Colitis«
Nachdem Rosso blutigen Schleim gekackt hatte, wurde im Notdienst der Tierklinik Weilheim an einem frühen Sonntagmorgen Anfang Juni endlich die richtige Diagnose gestellt: hochgradige Colitis.
Diese vier Monate waren nicht nur Stress für Rosso. Die Erfahrungen haben bei mir viele Fragen aufgeworfen – über Diagnosen, den Umgang mit schwer kranken Tieren und vor allem darüber, wie Tierärzte in solchen Situationen agieren.
Mein Fazit ist: Sie hören nicht zu! Denn ich bin keine hysterische Katzenbesitzerin, die den Teufel an die Wand malt, sondern ein aufmerksamer und denkfreudiger Mensch, der Tierärzten Informationen liefert, die sie nutzen sollen. Es aber nicht machen!
Angesichts dessen werde ich in den kommenden Wochen Rossos Geschichte erzählen. Chronologisch und sachlich. Mit allen Höhen und Tiefen. Wobei die Höhen sehr kurz waren, die Tiefen lang und quälend.
Vielleicht hilft diese bittere Erfahrung anderen Katzenbesitzern, Warnsignale früh zu erkennen, die richtigen Fragen zu stellen und ihrem Bauchgefühl zu vertrauen.
Ich melde mich bald mit dem ersten Teil meiner Chronik …




